Mehr dürfen, weniger müssen.

Mein letzter Beitrag ist schon ein ganzes Weilchen her. Als ich den Blog gestartet habe, hatte ich mir vorgenommen, regelmäßig zu schrieben. Nachdem ich begonnen hatte, ist mir jedoch relativ schnell klar geworden, dass Schreiben als kreativer Prozess auch genau das erfordert: Kreativität. Und dazu gehört auch eine große Portion Intuition – im Flow sein.

In den letzten Wochen hat sich in mir so wahnsinnig viel bewegt. Auf persönlicher, emotionaler und auch kognitiver Ebene. Es kamen zum Teil so viele Ideen gleichzeitig auf, dass ich sie niedergeschrieben habe, um sie nicht zu vergessen. In schlaflosen Nächten flogen mir die Visionen gerade so zu. Nicht solche Nächte, in denen Du dich ärgerst, weil in 3 Stunden der Wecker klingelt. Sondern solche, die nie enden dürften, weil dir Deine Seele aus tiefstem Inneren so viele Bilder, Ideen und Chancen schickt. Weil Du spürst, dass Du in diesem Moment absolut authentisch, so völlig Du selbst bist.

Ich habe begonnen, mir zu erlauben, alles tun und alles sein zu dürfen. Weniger Erwartungen an mich selbst zu stellen. Einfach im Fluss zu sein und zu beobachten. Zu beobachten was zu mir kommt. Zu beobachten, was ich brauche. Zu beobachten, was mich aus tiefstem Herzen erfüllt. Vieles davon wusste ich (unterbewusst) bereits. Und trotzdem tue ich einiges noch nicht. Anderes hat mich überrascht. Ich habe mich überrascht. Und wieder ein Mal durfte ich feststellen, dass Reisen – egal wie nah oder fern – den Blick auf Alltägliches völlig verändert. Mir Raum zur Entfaltung gibt. Dafür empfinde ich eine unfassbar tiefe Dankbarkeit. Wie klasse ist es eigentlich, dass ich einfach nur ein paar Minuten, vielleicht eine Stunde weit fahren brauche und alles haben kann?! Loslassen von Emotionen und Anhaftung, Auflösen von Erwartungen, Wahrnehmung der Fülle des Augenblicks, tiefe, innere Ruhe, Dankbarkeit, Liebe. Und das Bewusstsein, dass ich genug bin. So wie ich gerade jetzt bin. Nicht in 2 Jahren oder in 10. Nicht weil ich etwas erreicht habe, oder etwas anstrebe. Genau jetzt, in diesem Moment, ohne etwas zu leisten. Authentisch ich.

Ein Psychologe hat mir vor einigen Wochen einen Impuls gegeben, der etwas in mir manifestiert hat: Wie Du kommunizierst, wirst Du denken und wie Du denkst, wirst Du fühlen. Und ehe Du dich versiehst manifestierst Du in der Realität ein Leben, dass Du durch deine Kommunikation erschaffen hast. 

Vielleicht kennst Du diesen Spruch „Du bist, was Du denkst“. Die Gedanken sind ein so essentieller Teil dessen, was wir als unser Leben, Schicksal oder wie auch immer Du es für Dich benennst, wahrnehmen. Doch mit Kommunikation können wir etwas in unseren Gedanken manifestieren, was Dann später real und tatsächlich zu unserem Leben wird. Genau so funktioniert Affirmation: „Das Geld wird mir immer reichen.“ Ein Satz, der erst mal gar nicht schlecht klingt. Der vielleicht zeigt, dass Dir Geld nicht so wichtig ist, dass Du es im Überfluss bräuchtest. Dass Du eben immer genug zum Leben haben wirst. „Ich werde immer genug Geld haben, um mir alle Wünsche zu erfüllen.“ Du spürst selbst, wie unterschiedlich diese beiden Sätze sind und wie essentiell.

Doch was manifestiere ich durch meine Kommunikation?

Wir tendieren dazu, alles absolut zu betrachten und genau das auszusprechen: Wir MÜSSEN am besten IMMER oder NIE ALLES SOFORT haben / umsetzen / erreichen / bekommen, SONST MÜSSEN wir KONSEQUENZEN ziehen, GRENZEN setzen, uns TRENNEN.

Du kannst in Deiner Kommunikation mit anderen gut beobachten ob Du dazu tendierst, absolut zu sprechen und Gesagtes an Bedingungen zu knüpfen. Und vielleicht kannst Du im nächsten Schritt auch ein Mal Deine Gedanken beobachten. Wie kommunizierst Du eigentlich mit Dir selbst? Meist ist unser innerer Kritiker noch viel lauter, unsere Erwartungen an uns selbst noch viel höher, als die an unsere Mitmenschen.

Was absolute Kommunikation mit Dir macht? Sie erschafft das permanente Gefühl von Enttäuschung, Wut, Trauer, Ohnmacht, Scham und Schuld. Enttäuschung darüber, etwas nicht bekommen zu haben. Wut darüber, gescheitert zu sein. Trauer darüber, im Stich gelassen worden zu sein. Ohnmacht und Hilflosigkeit, etwas nicht verändern zu können. Scham, etwas nicht geschafft zu haben. Schuld darüber, nicht für jeden da sein zu können. Die Liste ist unendlich.

Resultate aus Handeln, Gedanken und Gesprächen können vielseitig sein. Absolut Kommunikation erzeugt überhöhte Erwartungen und gibt uns das Gefühl, wenn diese nicht erreicht werden, seien Konsequenzen erforderlich. Emotionen sind, genau wie jeder Zustand in Deinem Leben, dimensional. D.h. dass jeder Zustand in verschiedensten Ausprägungen und Intensitäten auftreten kann: Freude reicht von einem kleinen Lächeln, über eine freudige Umarmung bis zu einem ausgelassenen Freudentanz und dem Lachflash des Jahrhunderts. Du hast vielleicht die Vision eines eigenen Cafés, arbeitest derzeit noch in Deinem Bürojob und machst gerade einen Baristakurs. Dass Du in diesem Augenblick dein Endziel (noch) nicht erreicht hast, gibt allerdings keine Aussage darüber, wie gut oder schlecht die aktuelle Situation ist, denn ganz offensichtlich ist es unmöglich, heute die Idee eines Cafés im Kopf und Morgen einen fantastischen Laden eröffnet zu haben.

Absolute Kommunikation lässt nur dieses eine große (vielleicht auch oft utopische) Endziel zu. Alle Dimensionen die auf dem Weg zu diesem Ziel liegen, die so wichtig und notwendig für Deine persönliche Entfaltung, das Sammeln von Erfahrungen, Lernen und allem voran für das Genießen sind, werden dabei isoliert. Und Du wirst sie sogar als störend oder zeitraubend empfinden.

Ich möchte Dich dazu einladen, den Prozess Deines Lebens wieder zu genießen. Das Leben passiert für Dich und gibt Dir sowie so genau das, was Du gerade in diesem Moment am meisten brauchst – zum Lernen, Genießen, Wachsen, Entwickeln, Sein.

Lass‘ uns loslassen von Erwartungen – an uns selbst und andere. Und lass‘ uns Ergebnisse – so gut oder schlecht sie auch sein mögen – einfach hinnehmen, ohne sie verändern  zu wollen. Lass‘ uns wieder mehr beobachten – vor allem uns selbst. Und lass‘ uns fühlen. Jedes Gefühl, das kommen möchte. Egal wie schmerzhaft, egal wie erfüllend. Und lass‘ uns das tun, indem wir durch unsere Sprechen und Denken wieder Freiheit und Flexibilität in unser Leben bringen. Mehr dürfen, weniger müssen.

Der Macher ist es sich selbst wert.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen unzufrieden in einer Situation oder in einem ganzen Lebenskonstrukt verharren. Früher dachte ich, dass der Mensch insgesamt zu unreflektiert ist, um Frustration überhaupt wahrzunehmen oder auch, um sie dem wesentlichen Auslöser richtig zuordnen zu können. Der Großteil der Seelen mit denen ich spreche, weiß es jedoch sehr genau. Und sie wissen sogar noch mehr: Dass sie da wo sie sind, eigentlich nicht sein wollen. Dass sie etwas verändern wollen. Dass sie Zufriedenheit wollen. Doch ist es immer und immer wieder diese eine Sache, die sie alle vereint: Angst.

unbenannte-pracc88sentation.jpg

Ein Tipp, den ich in Momenten der Angst zum Kotzen oft gehört habe: „Sei mutiger, was kann schon passieren, Risiken muss man eingehen.“ Klasse, dann lauf ich doch sofort los, schalte mein Hirn aus und mache – weil mir nur jemand gefehlt hat, der mir sagt, dass es Mut braucht.

Wenn ich mich mal wieder in mir selbst gefangen halte oder wenn ich mit Menschen arbeite, die sich nicht von ihrer Blockade frei machen können, reduziere ich diese Angst gerne auf eine bewältigbare Größe. Du kennst sie sicherlich, diese Momente, in denen Du eigentlich gerne etwas tun würdest, von dem Du weißt, dass es Dir guttut, dann aber einfach nicht in die Pötte kommst. Ich rede dabei von Tagen, an denen die Sonne scheint und Du eigentlich spazieren gehen möchtest, aber einfach den Sprung aus der Wohnung nicht schaffst. Ich rede davon, dass Du weißt, wie sehr Dich der Kurs im Fitnessstudio nach einem stressigen Tag auf der Arbeit entspannt, Du es aber einfach nicht schaffst hinzugehen. Ich rede davon, dass Du weißt wie gut Dir gesunde Nahrung tut, Du dann aber trotzdem zur Tiefkühlpizza greifst.

Ich rede davon, dass Du die Kleinigkeiten, die ganz eindeutig etwas Gutes für Dich bringen, einfach nicht tust. Wenn Du schon diese Kleinigkeiten nicht konsequent in Dein Leben integrieren kannst, glaubst Du, dass Du dann tiefgreifende Veränderungen angehen kannst? 

Am Ende kannst nur Du selbst in Deinem eigenen Leben die Dinge tun oder nicht tun. Aber es hilft, Menschen im Leben zu haben, die Dir ab und zu mal den Spiegel vorhalten können. Die den Prozess kennen, den Du gehen möchtest, die Deine Vision unterstützen und die schlicht und einfach Dein bestes wollen. Wir glauben oft, dass diese Menschen automatisch da sein müssten, unsere Blutsfamilie zum Beispiel. Ich kann Dich nur dazu auffordern einmal genau hinzuschauen: Sind es wirklich die Menschen deren Rat Du regelmäßig einholst, die Dich pushen, mit ungeschönter Wahrheit aber voller Liebe , die wirklich nur DEIN (und nicht ihr) bestes wollen?

Einer dieser Menschen sagte einmal zu mir:

„Man wird im Leben vor Aufgaben gestellt. Manche sind besonders einfach, wie zum Beispiel jeden Morgen Zähne zu putzen oder den Müll rauszubringen (ok, ist vielleicht nicht für jeden einfach). Andere sind schwierig. Trotzdem ist jede Aufgabe gleich wichtig, weil sie Einfluss auf Dein Leben nimmt. Wenn Du große Aufgaben bewältigen willst, darfst Du nicht an den kleinen scheitern. Um zum Punkt zu kommen: Mach‘ einfach ALLES und vor allem genau dann, wenn Du überhaupt keine Lust darauf hast. Zu sagen, Du bist nicht in der Lage, Dir diese kleinen Geschenke des Alltags zu machen, ist Dir selber gegenüber nicht fair. Und es ist gelogen. Du hast keine andere Wahl als die Dinge einfach stumpf zu tun. Irgendwann werden sie dann Teil Deines Alltags, Du gewöhnst Dich daran und gliederst sie einfach in Deinen Tagesablauf ein. Oder willst Du irgendwann zurück blicken und sagen: Ich bin an mir selbst gescheitert?“

Was Dir leicht und schwer fällt kannst Du sicherlich schnell ermitteln. Vergleiche Dich dabei nicht und akzeptiere, dass Dein Potential ein ganz anderes ist, als das der anderen.

Und am Ende gibt es nur einen einzigen Unterschied zwischen dem Macher und dem Grübler: Der Macher ist es sich selbst wert. 

Das nächste Mal, wenn Du dich selbst davon abhältst, gut mit Dir umzugehen, sage Dir nur diese eine Sache: „Ich sorge dafür, dass es mir gut geht, indem ich tue, was ich brauche. Weil ich nur das beste verdient habe. Genau heute, genau jetzt, immer.“

Das ist Selbstliebe.

Du hältst das für egozentrisch? Genau richtig! Du findest das schlecht? Warum?

Frausein

Soll ich heute eine Vorzeigefrau beschreiben, fallen mir sofort Attribute ein wie: Unabhängig, selbstständig, selbstsicher, überzeugt, zielstrebig… Genau genommen tue ich dabei nicht mehr als einen Menschen beschreiben, der im Leben verankert ist, einen Plan hat, für sich selbst bestimmt. Diese Attribute sind unisex. Keines davon beschreibt Weiblichkeit. Aus dem Prozess jahrhundertelanger Unterdrückung und Herabwürdigung gegenüber dem Mann, haben wir Frauen uns zunehmend maskulinisiert. Die Verletzlichkeit des Weiblichen gilt als Schwäche die wir nahezu unterdrücken indem wir versuchen, den Männern in keiner Disziplin mehr nachzustehen. Schon gar nicht im Job.

Ich habe mir über diese Entwicklung in den vergangenen Wochen viele Gedanken gemacht, mich selbst beobachtet in meinem Frausein. Oder vielmehr: Dem Versuch des Frauseins. Ich bin gerade in Israel. Einen Urlaub, den ich mir bewusst alleine gönne. Ich wurde vorher und hier oft gefragt, warum es genau dieses Reiseziel ist. Ich konnte diese Frage nicht beantworten. Es war mehr eine Intuition, als eine bewusste Entscheidung. Nun da ich hier bin, ist die Antwort klar: Weil ich Weiblichkeit spüren darf. Deshalb musste ich genau hier her in dieses Land, in diese Kultur reisen. Danke Universum. Mal wieder.

Was bedeutet Weiblichkeit im eigentlichen Sinne? Wir sind naturgemäß empfangende, Männer gebende Wesen. Alles, was typisch weiblich ist, kann so bezeichnet werden, weil es ein männliches Gegenattribut gibt: Sensibilität – Rationalität. Entspannung – Aktivität. Sanftheit – Aggressivität. In jedem Menschen, welchen Geschlechts auch immer, sind männliche und weibliche Energien vorhanden. Die Yogis unterteilen diese auch in Sonnenenergie, die männliche Energie, und Mondenergie, die weibliche Energie. Es ist wichtig, dass wir beide kultivieren, sowohl als Frauen als auch als Männer. Es gibt Situationen in jedem Leben, in denen wir maskuline Energie brauchen. Dazu zählt zum Beispiel das Behaupten eines Standpunktes, das Treffen von Entscheidungen. Umgekehrt gibt es aber auch solche, in denen Weiblichkeit gefragt ist. Dazu zählt zum Beispiel Entspannung und Genuss.

Es gibt aber eben auch die Attribute im Außen, die uns zu Frauen machen. Erotik die verbunden ist mit Deinem weiblichen Körper: Vollen Lippen, zarten Händen, Brüsten, Hüften, Deinem Hintern und Beinen. Und egal wie diese Stellen Deines Körpers gebaut sind: Genau sie machen Dich zur Frau. Und dazu gehört auch, zu genießen dass diese Weiblichkeit wahrgenommen wird.

Wenn in Deutschland der Verkäufer beim Bäcker zu mir sagt, dass ich atemberaubend bin, verdrehe ich die Augen, fühle mich vielleicht peinlich berührt oder bin genervt: „Absolut billige Anmache. Sagt er bestimmt zu jeder.“ HELL YES, hoffentlich tut er das! Denn wir sind alle, so wie wir sind, in unserer Unterschiedlichkeit, aber in unserer Weiblichkeit so unglaublich fabelhaft. Und genau das sollten wir uns jeden Tag bewusst machen.

Deshalb bin ich so dankbar, in einem Land zu sein, in dem Frauen als die wunderbareren Geschöpfe verehrt werden, die sie sind. Und wenn ein schmieriger Typ tatsächlich versucht, Dich mit geheuchelten Komplimenten rum zu bekommen, dann besitzt Du hoffentlich genug Eigenverantwortung, für Dich selbst entscheiden zu können, ob Du dich darauf einlässt oder nicht.

Bitte erlaube Dir selbst wieder, Dich für das zu ehren was Du bist. Und bitte erlaube den Männern wieder, Dir genau das unverblümt zu zeigen.

Danke Israel.

Erdung und Entspannung

Wenn wir im Westen sagen „Ich muss unbedingt mal wieder runter kommen“, dann glauben wir oft, mit ein wenig Nichtstun erreichen wir den ersehnten Zustand der Entspannung. Für mich sah das in etwa immer so aus: Ein Tag – meistens am Wochenende – den ich daheim verbringe und mein einziger Weg von Sofa zur Küche oder ins Badezimmer und zurück führt. Ich habe mich oft gewundert, warum ich am nächsten Tag noch erschöpfter aufgewacht bin, als vorher.

Jede Emotion, jeder Gedanke, jedes Erlebnis, Handeln oder Erfahren wirkt sich auf verschiedenen Ebenen auf Dich aus.

Geistig, Seelisch, Körperlich

Der Großteil unserer Gesellschaft nimmt jedoch maximal die physischen Effekte eines Reizes wahr: Wenn Du dich müde und abgeschlagen fühlst, Kopf- oder Rückenschmerzen hast, kurzatmig bist oder Deine Augen brennen, dann erst spürst Du, dass etwas im Argen ist. Oft glauben wir dann, „etwas auszubrüten“. Im weitesten Sinne ist das auch gar nicht so falsch, aber eben nicht so, wie wir gelernt haben es zu interpretieren.

Manchmal wird der Körper tatsächlich krank, wenn wir ihn zu sehr gepusht und seine Signale zu lange ignoriert haben. Er zwingt uns dann in die Horizontale. Ein Spruch, den Du sicher schon einmal benutzt hast, wenn es darum ging, einfach mal nichts zu tun und Dich auszukurieren. Dieser Spruch hat folgenden Hintergrund:

Das Senkrechte, Aufrechte, Aktive, Erschaffende, Aggressive steht für die männliche Energie. Das Waagrechte, Empfangende, Pflegende, Geschehenlassende, Sensible steht für die weibliche Energie. Was nach einem Stigma klingt, ist energetisch sehr wichtig:

Jeder von uns – ob Männlein oder Weiblein – vereint diese beiden Energien in sich. Es ist sogar notwendig, dass wir sie beide kultivieren. Wer zu einseitig agiert, fühlt und denkt, wird früher oder später vom Körper gezwungen Ausgleich herzustellen. Betrachten wir die Natur: Tag und Nacht, Sommerblüte und Winterdürre, Sonne und Regen, Leben und Tod. Sie lebt uns ein Leben in Geggensatzpaaren vor. Gegensatzpaare, die sich auf allen Ebenen weiterspinnen lassen: Dankbarkeit und Ablehnung, Trauer und Freude, Wut und Gelassenheit, Entspannung und Anspannung. Stehen sie augenscheinlich im Widerspruch zueinander, sind sie in Wahrheit untrennbar miteinander verbunden. Wie die berühmten zwei Seiten einer Medaille. Und in jedem Ungleichgewicht ist das natürliche Ziel Ausgleich herzustellen.

Du kannst niemals nur tätig sein, ohne Momente der Untätigkeit. Könntest Du Freude überhaupt spüren, wäre Dir die Kehrseite der Trauer nicht bekannt? Die Magie der Nähe und Verbindung zu einem anderen Menschen energetisiert Dich, weil Du das Gefühl der Trennung kennst.

So oft reagieren wir erst, wenn uns unser Körper zwingt es zu tun, wenn er rebelliert. Wir zwingen uns im Tun zu bleiben, so lange bis es nicht mehr geht. Gerade wir Frauen haben uns im Zuge der Emanzipation „maskulinisiert“. Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein sind heute Attribute, mit der wir eine moderne Frau beschreiben. Von diesen Faktoren ist nicht ein einziger feminin. Diese Beschreibung passt auch wunderbar auf einen Mann.

Wir dürfen all das tun, wenn wir dabei nicht vergessen, schwach zu sein. Wenn wir Entspannung als Bedingungen für Aktivität betrachten und uns bewusst machen, dass wir das Eine nicht ohne das Andere kultivieren können.

Entspannung geht weit über die körperliche und über die geistige Ebene hinaus. Zur körperlichen Entspannung hast Du bestimmt eigene Strategien entwickelt: Sport, Sauna und Wellness, Massage. Zur geistigen Entspannung wird unser Skillset schon deutlich kleiner: Zocken, Serie schauen, Musik machen, Kochen oder Backen. Doch wie entspannst Du dich auf seelischer Ebene und warum ist das eigentlich relevant?

Wovon wir getrieben sind, was wir im Leben suchen, unsere primären Gefühle, unterbewusste Glaubenssätze und wiederkehrende Gedanken sind auf der Seelenebene tief verankerte, meist unbewusste Automatismen. Sie verführen uns immer wieder zu denselben Handlungen. Handlungen die uns oft nicht gut tun, die zu einem unerklärlichen Gefühl der Rastlosigkeit führen. Es ist mit intensivem Fokus möglich, Deinen Blick zu schärfen für Deine seelischen Muster und so in einem langen Prozess stärker in Deinem puren Selbst, als in Deinen alten Mustern zu leben und darüber insgesamt eine größere Ausgeglichenheit zu erlangen.

Für diesen Prozess kann man sich entscheiden oder auch nicht. Vielleicht spürst Du gegenüber energetischer Betrachtungsweise eine Blockade. Möglicherweise ist sie nicht, oder noch nicht die angemessene Strategie für Dich. Doch eines funktioniert immer und mit absoluter Sicherheit: Die Verbindung zur Natur.

Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass bei jeder Natur-Mensch-Interaktion ein energetisch messbarer Austausch stattfindet. Ein anderer Begriff für Entspannung ist Erdung. Erdung bedeutet, dass Du dich wieder sammelst an Deiner Basis. Dass Du für einen Moment los lässt, was Dich festhält. Dass Du für einen Moment bist, nicht musst. Für mich ist Erdung die tiefste Form der Entspannung. Denn sie übersteigt die körperliche und geistige Ebene und wirkt nachhaltig auf unsere Seele.

Verbindung mit der Natur meint ganz banale Dinge, wie einen Spaziergang im Wald, am Feld, am See, in den Bergen – genau da, wo es sich für Dich gut anfühlt. Denn wir alle haben diese innere Verbindung zu bestimmten Landschaften oder Orten, die uns umgehend mit einer tiefe Ruhe erfüllt. Barfuß gehen, Pflanzen berühren, mit den Füßen im Wasser stehen, den Wind, den Regen oder die Sonne auf der Haut spüren. Verbindung mit der Natur meint auch Ernährung. Über das Essen von Wurzelgemüse kannst Du regelmäßig auf ganz banale Art Erdung erzeugen. Mit bestimmten Düfte, wie die von Nadelbäumen oder Nelken, kannst Du dir die Natur auch gezielt ins Haus holen.

Erdung meint, für einen Moment inne zuhalten. Zu verstehen, dass Du nur im Zusammenspiel mit allem um Dich herum wirkst. Wirklich zu erspüren, dass da etwas ist, was in Wechselwirkung der Gegensatzpaare immer weiter besteht, sich erneuert, unermüdlich. Zurück zu finden zu Deinem Urvertrauen, das in der Verbindung zu Dir selbst und zu allem um Dich herum besteht.

Erdung ist das Empfinden von Urvertrauen.

Urvertrauen ist die höchste Form der Entspannung.

Angst ist Deine Gelegenheit

Angst ist eine Gelegenheit, kein Hindernis. Dort wo Angst ist begegnest Du Deinen inneren Grenzen. Deinen Glaubenssätzen. Du begegnest dem, was Du selbst von Dir denkst, gelernt hast von Dir zu denken. Dem, was Du glaubst von Dir erwarten zu können und dem, was Du als zu groß, zu gefährlich oder zu anstrengend bewertest. Du begegnest Deiner Missgunst, Deinem Selbstzweifel, der maßlosen Unterschätzung Deiner Kraft. Angst ist eine Bewertung eines Zustands, den Du dir selbst nicht erlaubst zu erreichen. Du hast Angst vor Dingen, vor denen man Dich einst gewarnt hat. Vor Dingen, die ein Anderer nicht geschafft hat. Vor denen sich ein Anderer vor Dir gefürchtet hat.

Angst. Ein Gefühl das uns im evolutionären Kontext vor dem Tod bewahrt hat. So nützlich. So unglaublich hinderlich.

Es gab in meinem Leben nicht eine Situation, in der ich dem Tod auch nur nahe gewesen wäre. Und doch fühle ich diese Angst. Meine Gedanken sind fokussiert auf das Risiko des Scheiterns. Mein Körper reagiert auf Lebensgefahr. Mein Handlungsimpuls ist Vermeidung, Flucht. So viele Möglichkeiten habe ich bereits vermieden. Aus Angst.

Ich muss nicht mutiger sein um in die Angst zu gehen. Angst will verstanden werden. Manchmal dauert dieser Prozess Jahre. Jahrzehnte. Vielleicht ein Leben lang. Angst braucht Fürsorge. Angst braucht Liebe.

Jedes Mal, wenn ich vermeide, nehme ich liebevoll zur Kenntnis, dass meine Angst mich zu schützen versucht. Ich beobachte meine Gedanken. Und am Ende führen sie mich weit zurück. Tief in mein Inneres. Ich verurteile meine Angst nicht, auch wenn sie mich hindert. Sie ist mein innerer Kompass.  Sie weist genau dort hin, worauf ich meinen Blick wenden soll. Wo ich meine Fürsorge brauche. Meine eigene.

Manchmal bin ich nicht bereit. Dann gehe ich weiter. Weiß einfach, dass es diesen Ort gibt, diesen Gedanken. Wenn mich das Leben später dorthin zurück führt, bin ich bereit. Oder beim nächsten Mal. Oder beim nächsten Mal. Irgendwann bin ich bereit.

Das zu tun, ist für mich Selbstliebe. Mich zu heilen. Zu mir zu finden. Frei sein. Freiheit beginnt im Innen.

Meine Inspiration zu diesem Blogpost stammt heute aus einer Dokumentation über Myles Kennedy und sein Soloalbum Year of the Tiger, in dem er den Tod seines Vaters thematisiert.

Myles Kennedy
Quelle: Facebook, Myles Kennedy (@OfficialMylesKennedy), 03.02.2018

Es bewegt mich immer wieder zutiefst, wenn sich Menschen durch ihre Leidenschaft sich selbst zuwenden. Ein Hobby, Sport, Musik, Kunst, Kreativität, Schreiben, Lesen, Hören, Sprechen… Die Liste der Dinge, die uns inspirieren können ist unendlich. Das Geschenk dabei ist, dass wir uns erlauben zu fühlen, ohne dass wir uns zunächst selbst fühlen müssen. Wendest Du deine Aufmerksamkeit einer Sache zu, die Du liebst, wird sie sich irgendwann auf Dich selbst richten. Die Liebe zu etwas anderem wird irgendwann zur Liebe für Dich selbst. Es kann nicht anders sein. Diese Erkenntnis hat in mir ein bedingungsloses Vertrauen ins Leben erzeugt. Wo Vertrauen ist, da ist Liebe. Und wo Liebe ist, sind keine trennenden Gefühle. Auch keine Angst.

Zum Krieg braucht es immer zwei, zum Frieden nur einen.

Wir neigen heute dazu uns in zwischenmenschlichen Beziehungen – welcher Art auch immer – permanent getriggert, verärgert, verletzt oder enttäuscht zu fühlen. Wir betrachten uns als Opfer der Unaufmerksamkeit, des Egoismus, der Ignoranz unseres Gegenübers. Und wie häufig unterstellen wir dem anderen Absicht? Unsere Beziehungen – und darunter gerade die Paarbeziehung – werden errichtet auf einem instabilen Konstrukt aus stillen und offenen Erwartungen. In der meisterhaft ausgefeilten Grübeltechnik von uns Frauen versenken wir tagtäglich unsere Energie. Dabei muss es noch nicht einmal um tiefgreifende, lebensverändernde Situationen in einer langjährigen Beziehung gehen – nein: Uns motiviert tatsächlich auch die nächstbeste Tinderbekanntschaft unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Und damit nicht genug: Wir beherrschen damit nicht nur unsere eigenen Gedanken, sondern gehen auch noch unserer besten Freundin auf die Nerven oder nutzen gleich die What’s App Gruppe mit den Girls um eine Möglichst große Wirkung mit unseren Gedanken zu erzielen.

Wir investieren so viel Energie. Und fast immer investieren wir sie in unseren Gegenüber. Wir interpretieren sein Verhalten, wir analysieren seine Baustellen, wir identifizieren Verbesserungspotentiale. Und das alles legen wir unserem Gegenüber dann in einem umfassenden Monolog fantastisch ausgefeilt dar. Währenddessen platzen wir dann auch fast vor Stolz, in dem Wissen, dass wir gerade die Lösung unserer Probleme präsentieren. Bis die Begeisterungsblase dann jäh platzt, weil unser Gegenüber bestenfalls eine andere Meinung hat, oder – was wahrscheinlicher ist – sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal annähernd mit dieser Frage auseinander gesetzt hat.

Dann kann es ihm ja auch nicht wichtig sein. Also bin ich ihm nicht wichtig. Dann macht das hier ja überhaupt keinen Sinn. Der bemüht sich noch nicht mal. Ich streng mich so an und ihm ist es egal. So geht das nicht. Ich bin ja wohl mehr wert als das. Das nehme ich nicht einfach so hin.

Das sind die Gedanken mit denen wir innerlich zum Angriff blasen. Und das tolle dabei ist: Wir müssen uns dazu noch nicht mal anstrengen. Die kommen ja ganz von selbst, nehmen unsere Gefühle ein und bündeln unsere Aufmerksamkeit wie selbstverständlich auf die Schmach des anderen.

Der Frieden war nie weiter weg, als in diesem Moment.

Wir gehen in Beziehungen bereits in Abhängigkeit, wenn sie noch gar nicht als solche zu definieren ist. Wir lernen potentielle Partner kennen und sofort eruieren wir innerlich, was wir von dieser Person erwarten können, was wir bei ihr zu finden glauben. Die Antwort auf diese Fragen nennen wir nach einiger Zeit dann Liebe. Und noch etwas später finden wir uns dann enttäuscht und ernüchtert vor der Entscheidung wieder, zu gehen oder zu bleiben.

Viele Beziehungen werden aus denselben Gründen getrennt, aus denen sie einst eingegangen wurden. Einst: Es ist so super, dass mein Partner so ruhig und ausgeglichen ist, denn damit reguliert er meinen überschwänglichen Tatendrang und entschleunigt mich. Nun: So ein fauler Stubenhocker, mit dem nichts anzufangen ist, der sich für nichts begeistern kann und mich total ausbremst.

Wir denken jeden Tag unzählige Gedanken. Die meisten davon über unsere Beziehung oder den Wunsch danach. Wir denken nach über unseren Partner. Betrachten seine von uns definierten Baustellen. Erörtern Lösungswege, Methoden. Geben uns Mühe dabei, Wege zu entwickeln, die unserem Gegenüber helfen können. Schließlich lieben wir diesen Menschen.

Doch viel zu wenig Gedanken denken wir über uns selbst. Wir nehmen unsere Emotionen wahr, den Schmerz der durch eine Beziehung in uns ausgelöst wird. Doch fragen wir uns viel zu selten, von welcher unserer inneren Verletzungen dieser Schmerz verursacht wird. Unsere Partnerschaft löst Gefühle aus, aber sie verursacht sie nicht.

Die Ursache unseres emotionalen Charakters finden wir immer und ausschließlich in uns selbst, in unserer Vergangenheit. Wir sind in unserem westlichen Leben niemals ausgesetzt, oder geraten unbeabsichtigt an diese Typen. Wie es Robert Betz in seinem Buch „Wahre Liebe lässt frei“ formuliert: „Es gibt keine Opfer, es gibt keine Täter, es gibt nur Erschaffende.“ Wir alle ziehen nur das an, was in uns ist. Im Umkehrschluss müssen wir sein, was wir haben wollen.

Es gibt sie nicht diese bessere Hälfte. Du bist bereits ganz und vollkommen. Suche Vollständigkeit in Dir selbst. Übernimm Verantwortung für Dich. Jeder innere Widerstand ist ein Signal für Dich. Beachte es und nutze deine Energie,  um seine Wurzel zu ergründen. Heilst Du dich selbst, erlaubst Du dir, jemand anderen seiner Selbst willen zu lieben. Du wirst aufhören nur das zu „lieben“, was Du brauchst. Denn Du erschaffst es für Dich, ohne das Zutun eines anderen.

Perfektion der Natur

Neulich, in Byron Bay (haha, ich liebe es!) bin ich um 5 Uhr morgens aufgestanden, um mir einen Sonnenaufgang anzusehen. Ich finde ja, dass Sonnenaufgänge ganz besonders sind. Sonnenuntergänge sind toll, sie sind romantisch und haben etwas geheimnisvolles. Der Tag geht zu Ende, alles was vom Licht berührt wurde wird langsam schattig, kalt. Man rückt näher zusammen, spendet sich Wärme. Alles was Du sehen kannst, ohne künstliches Licht, befindet sich ganz nah bei Dir. Deine Sinne, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken, werden geschärft. Sonnenuntergänge sind fantastisch.

Was ich am Sonnenaufgang liebe, ist die Kraft der Wiedergeburt. Das Licht verdrängt die Dunkelheit. Die Sonne steigt jeden Morgen auf’s Neue auf. Sie fragt nicht, wie schwarz die Nacht war. Unabdingbar, stark, leuchtend erhebt sie sich jeden Morgen und erfüllt alles mit Licht. Mit Lebensenergie. Egal wie schwarz die Nacht war.

Ich bin also um 5 Uhr aufgestanden. Das erwähne ich zwei mal, weil das für mich schon eine starke Leistung ist. Ich bin kein Langschläfer, aber alles vor 7 – eher vor 8 – erscheint mir doch sehr unmenschlich. Also stand ich um 5 auf. Tatsächlich schaffte ich es auch, 7 Minuten bevor die Iphone-Wetter-App den Sonnenaufgang prognostiziert hatte, am Strand zu sein.

Dazu muss gesagt werden, dass sich in Byron Bay der östlichste Punkt Australiens befindet. Warum das so wichtig ist? Die Datumsgrenze verläuft zwischen den Fidschis und Samoa. Das erste nennenswerte Land (aufgrund der Größe), das den neuen Tag einläutet, ist der östlichste Teil Chinas, zusammen mit Neuseeland. Befindet man sich also am östlichsten Punkt Australiens so bedeutet das, dass noch nicht besonders viele Menschen vorher das Licht des neuen Tages erblicken konnten. Ich empfinde diese geografische Tatsache als äußerstes Privileg.

Nun also kam ich dort an. Es war schon lange nicht mehr dunkle Nacht, denn natürlich kündigt sich die aufgehende Sonne an und schickt ihr Licht voraus. Die ersten Krebse gehen ihrer Arbeit nach und natürlich treibt es auch ein paar Surfer raus. Ja, da war Licht. Nur die Sonne konnte ich nicht sehen. Sicherlich ging sie auf. Ich verlasse mich voll und ganz auf die Iphone-Vorhersage und bin sicher, dass die Kugel pünktlich um 05:54 Uhr über den Horizont gespitzelt hat. Aber da waren eben auch Wolken. Viele Wolken. Eigentlich waren da nur Wolken. Ich konnte also den Horizont nicht sehen.

Es wurde heller und ich ahnte, was hinter diesem Vorhang passierte. Ich war enttäuscht. Schließlich war ich um 5 Uhr aufgestanden. Ich hatte mich auf die reinste Form der Lebensenergie gefreut. Darauf dass sie mich erfüllen würde. In jeder Zelle. Ich wollte Leben fühlen. Mich. Mein Innerstes. Dieses goldene Licht in mir speichern.

Wie ich da so saß und mich meinen menschlich-destruktiven Gedanken hingab, mich ein wenig ärgerte, traurig war, da kam mir etwas in den Sinn:

Es gibt keine Zufälle.

Also gab es einen Grund dafür, dass ich an eben diesem Tag um 5 Uhr aufstand, um eben diesen Sonnenaufgang, den ich nicht sehen konnte, zu erleben. Dieser Sonnenaufgang war nicht perfekt. Aber sie war da, die Sonne. Hinter einem dicken Vorhang aus Wolken. Einem Vorgang der sich bleischwer an den Horizont geheftet hatte. Der sich mit unglaublicher Vehemenz gegen das Licht des neuen Tages wehrte. Der das Feld nicht räumen wollte. Der die Welt mit Schatten bedeckte. Sie sind da, diese Wolken. Die dein Leben mit Schatten bedecken. Deine Gedanken, deine Glaubenssätze, deine Ängste. Sie schirmen Dich ab von der Schöpferkraft Deiner selbst. Von deinem Innersten. Deiner unerschöpflichen, grenzenlosen Lebensenergie. Von Deinem wahren inneren Selbst. Von Zuversicht. Von Glaube. Von Mut. Von Tatendrang.

Im Vertrauen, dass mir das Universum immer genau diese Botschaften schickt, die ich gerade am dringendsten brauche, weiß ich, dass es keinen besseren Tag, keinen besseren Zeitpunkt, keinen besseren Ort für mich gegeben hätte. Nichts ist jemals falsch. Nichts ist jemals umsonst.

Warum bist Du dort? Dort wo Du gerade bist? Mit den Menschen mit denen Du da bist. Mit diesen Sorgen. In dieser Unvollkommenheit. Schau genau hin.

 

Sonntagsreflexion – am Dienstag

06.11.2018

Nach meinem Städtetrip nach Madrid kommt die Sonntagsreflexion dieses mal etwas verspätet – ups. Zu Madrid werde ich in einem separaten Beitrag noch einige Tipps und meine Highlights posten. Nur so viel: Die Stadt ist wirklich sehenswert und das Essen absolut fantastisch – definitiv eine Reise wert.

Was bedeutet eigentlich Neuanfang, sich neu erfinden, wachsen, verändern…? Wie viel von dem was war, kann ich eigentlich tatsächlich hinter mir lassen, was nehme ich mit? Was sollte ich mitnehmen? In meinem ersten Post habe ich darüber geschrieben, dass ich mich immer dann neu erfinden möchte und darf, wenn ich von dem Weg abkomme, der meinen „Zweck der Existenz“ erfüllt. Doch wie beeinflusst mich das eigentlich als Charakter?

Aus Vergangenem lernen. 

Vergeben. Mir selbst und anderen. 

Dankbar sein.

Den Sinn jeder Erfahrung finden. 

Abschließen. 

Es sind immer die Erlebnisse, an die wir uns emotional am meisten gebunden haben, die uns einen Abschluss am schwersten machen. Oft erkennt der Kopf schon längst, was dem Herz verborgen bleibt: Dass es Zeit ist, weiterzugehen.

Nach der Entscheidung für ein Ende, dem Schritt eine Grenze zu ziehen folgt ein Prozess aus Wut, des Nicht-Wahrhaben-Wollens, der Resignation, Trauer, Akzeptanz und Neuausrichtung. Vielleicht nicht in dieser Reihenfolge, vielleicht nicht immer besonders intensiv. So schwer die Anfangszeit ist, empfinde ich gerade die Neuausrichtung als besonders herausfordernd. Warum?

Ich muss mich entscheiden, was ich mitnehmen und was ich hinter mir lassen möchte.

Diese Entscheidung treffe ich meist unterbewusst. Oft merke ich erst in der nächsten Situation, welche faulen Äpfel ich mir eigentlich in meinen Rucksack geladen habe. Oder ich kann Früchte ernten, aus den Samen die ich gepflanzt habe. Jede Phase im Leben schafft neue Überzeugungen. Einige davon sind hilfreich, andere weniger. Jede Phase liefert mir Erkenntnisse über mich selbst. Nur, wenn ich diese Erkenntnisse für meine Neuausrichtung nutze, gebe ich allem was war einen Sinn. Nur so kann ich mich aktiv verändern.

Dieser Prozess dauert oft so viel länger, als ich es bemerke. Mein Umfeld hat sich längst an „neu“ gewöhnt. Fragt nicht mehr danach, hat es vielleicht bereits vergessen. Doch manchmal kommen diese Momente, diese Gedanken, Gefühle. Diese Wut, Angst und Freude. Diese Reaktionen, die ich von damals kenne, die ich doch eigentlich dort gelassen habe – in der Vergangenheit.

In diesem Moment halte ich inne. Ich beobachte mich genau. Lausche meinen Gedanken. Warum gerade jetzt? Warum dieser Gedanke? Worauf liegt meine Aufmerksamkeit? Passt mein Gefühl zu dieser Situation? Ich prüfe, ob mein Inneres zum Äußeren passt und ich verändere es, wenn es voneinander abweicht. Warum das so wichtig ist?

Damit ich mich frei fühle. Wenn ich etwas zurück halte, bin ich angestrengt. Wenn ich grüble, belastet. Wenn ich hinter etwas herlaufe, aufgewühlt. Nur wenn ich tue, was ich möchte, sage was ich denke und bin was ich fühle. Nur dann bin ich frei.

Manchmal muss Du Altes wecken, um Heute frei zu sein.

b2c1250e-5cd0-4bfd-b90b-714238716279

 

Sonntagsreflexion – Tagesroutine

28.10.2018

Ich möchte Dich zum Ende dieser Woche zu einer Fantasiereise einladen:

Stelle Dir vor, wie Du am ende Deines Lebens im Schaukelstuhl auf Deiner Terrasse sitzt, vielleicht erzählst Du deinem Enkelkind von Deinem Leben. Davon was Du erreicht, was Du getan und erlebt hast. Oder vielleicht rechnest Du einfach nur ab mit Dir mit Deinem Leben. Rekonstruierst für Dich all die Dingen, die auf Dein heute überquellendes Lebenskonto eingezahlt haben. Die Dinge, die Dich und Dein Leben erfüllt haben. Schließe die Augen, lasse dieses Bild entstehen und beobachte Dich einen Moment dabei. Wie siehst Du aus? Wie sind Deine Gesichtszüge? Wie fühlst Du dich? Bist Du allein, oder ist jemand bei Dir? Was in Deinem Leben hat dich besonders zufrieden gemacht?

Du bist glücklich. Es ist keine Wehmut in Dir. Kein Gedanke, der sagt: “Ach hätte ich doch nur…”. Du hast alles getan, alles gesehen, alles erlebt, alles gefühlt und gesagt, was es in Deinem Leben zu tun gab um genau heute in absoluter Ruhe aus Deinem Leben zu gehen. Du bist ruhig. Du bist völlig mit Dir selbst verbunden und mit allem um Dich. Es ist gut.

Nimm Dir einen Moment Zeit, Deine Gedanken auf Dich wirken zu lassen und beobachte Deine Reaktion. Beobachte die Emotionen die entstehen und was sie in Dir bewegen.

Diese Fantasiereise habe ich zum ersten Mal in einem Mary Kay Seminar erlebt. Was ich in diesem Moment gefühlt und vor meinem inneren Auge gesehen habe, bewegt mich jeden Tag und beeinflusst alle meine Entscheidungen mit.

Was ist es, das Dir am Ende Deines Lebens das Gefühl geben wird, erfüllt gelebt zu haben? Was ist es, das Dir die am Ende Deines Lebens die Ruhe gibt, jetzt zu sterben, ohne Reue? Was gibt Dir das Gefühl absoluter Freiheit?

Diese Fragen haben mich diese Woche auf einer viel granulareren Ebene bewegt. Mir ist zunächst nicht aufgefallen, dass es sich um einen mikroskopischen Teil der Sinnfrage handelt. Dafür bin ich viel zu rational an die Thematik herangegangen. Erst, als ich mir über den Inhalt der heutigen Sonntagsreflexion Gedanken gemacht habe, ist der Knoten geplatzt:

Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich mich selbst und meinen Tag effizienter gestalten kann. Aber was bedeutet eigentlich Effizienz, woran kann ich sie messen? Für mich, davon bin ich überzeugt, kann ich sie an meiner Zufriedenheit oder Unzufriedenheit am Abend jedes Tages erkennen. Darüber, ob ich mich rastlos, oder ruhig und entspannt fühle. Ob mich Gedanken plagen wie: “Eigentlich hätte ich…” oder “Morgen muss ich aber…”. Darüber, ob ich grüble, oder meine Gedanken einfach ziehen. Darüber, ob ich innerlich Pflichten formuliere, mir hektisch Erinnerungen schreibe oder ob ich einfach bin, entspanne.

Ist dieses Gefühl nicht genau dasselbe, das ich auch am Ende meines Lebens haben möchte? Entscheidet nicht gerade die Tatsache, dass die Mehrheit meiner Tage mit dieser Zufriedenheit geendet haben, exakt darüber, wie sich mein gesamtes Leben für mich anfühlt? Deshalb möchte ich mich in diesem Beitrag mit einer Tagesroutine auseinandersetzen, die genau darauf einzahlen soll.

Ich wache auf, checke Social Media, drehe mich noch einmal um, checke Social Media, drehe mich noch einmal um, checke Social Media – okay, Feed aktualisieren bringt auch nichts mehr Neues. Naja, dann steh ich eben mal auf…

Das ist zugegebenermaßen tatsächlich lange meine Morgenroutine gewesen. Offensichtlich starte ich so nicht in einen Tag, an dem ich abends zufrieden sein werde. Deshalb möchte ich für mich herausfinden, wie ich eine gute Balance zwischen “Verpflichtung” und Ich-Zeit finden kann, die sowohl ausgewogen, als auch wertschöpfend ist. Ich möchte ein Ritual finden, das mich jeden Tag meinen inneren Schweinehund auf’s Neue überwinden lässt.

Die Frage, was ich am Ende meines Lebens getan haben möchte, um zufrieden sein zu können, kann ich mir bereits beantworten (auch wenn ich mir absolut sicher bin, dass sich dabei immer wieder kleine Veränderungen ergeben werden). Also sollte es doch nicht so schwierig sein, das in kleine Häppchen herunterzubrechen. Ich weiß zumindest grob, wo ich Ende nächsten Jahres stehen will und ich weiß, was ich tun muss, um dorthin zu gelangen. Rein rational betrachtet, überhaupt kein Problem.

Wäre da nicht diese innere Trägheit, diese Komfortzone und dieses vorgetäuschte Sicherheitsgefühl, dass mir jeden Morgen im Bett ins Ohr flüstert: “Du willst liegen bleiben, Du willst es immer leicht haben, mach doch einfach das, was Du sowieso schon kannst, Dein Tag sollte nicht anstrengend oder herausfordernd sein. Es ist alles gut so wie es ist.”

Ja. Nee.

Ich bin ein absoluter Genussmensch. Genuss ist für mich Erfüllung, ist Freude, ist Glück. Auf ganz verschiedenen Ebenen. Deshalb sollte und wird Genuss im Ablauf jedes Tages für mich eine Rolle spielen, wichtiger Bestandteil sein. Aber Genuss bedeutet für mich eben nicht Untätigkeit. Genießen kann ich doch gerade das, was mich berührt und wirklich tief erfüllt. Und das fliegt mir eben nicht immer zu.

Ich möchte für mich eine Routine etablieren, mit der ich jeden Tag auch ein bisschen den Aufwand genießen kann, den ich in Kauf nehmen muss. Denn davon bin ich überzeugt: Egal wie gerne Du etwas tust, es ist immer auch anstrengend.

Um meine optimale Tagesroutine zu finden, werde ich mich dabei beobachten, wie ich mich mit verschiedenen Möglichkeiten fühle. Denn ich glaube nicht, dass ich bereits genau weiß, zu welcher Zeit des Tages ich am effizientesten bin, wann mir Sport am besten bekommt oder ich am konzentriertesten arbeite. Ich werde verschiedene Optionen ausprobieren, um meine Routine zu finden und möchte dabei mit folgender starten:

  1. Ich stehe jeden Morgen zur selben Uhrzeit – und ich stehe tatsächlich auf.
  2. Ich mache mich fertig – gesellschaftsfähig sozusagen – egal, ob ich unter Menschen gehe oder nicht.
  3. Ich aktiviere meinen Körper. Durch Yoga, einen Spaziergang oder Training.
  4. Ich frühstücke ausgewogen.
  5. Ich starte den Pflichtteil meines Tages. Ohne Smartphone. Meine Prio 1 ist dabei nicht zwangsläufig immer das, was ich am liebsten tue – selten sogar. Deshalb habe ich entschieden zunächst mit der Sache zu starten, auf die ich am wenigsten Lust habe – erst die Arbeit, dann das Vergnügen 🙂 Dieses Gefühl wird sich mit der Zeit verändern, denn ich werde dadurch immer mehr von dem tun können, was ich liebe und immer weniger von dem tun müssen, was mich belastet. Und das was mich belastet, wird immer stärker zum Teil dessen, was mich erfüllt.
  6. Ich esse ein ausgewogenes Mittagessen und aktiviere noch einmal kurz meinen Körper. Hier gönne ich mir auch eine kurze Auszeit und lese, höre einen Podcast, schaue ein Video etc.
  7. Mittags arbeite ich weiter, erledige Termine und checke außerdem, was Prio am nächsten Tag haben sollte. Auch Arzttermine oder sonstige Erledigungen versuche ich möglichst, erst am Nachmittag zu machen, um einen festen Raum für konzentriertes Arbeiten zu haben.
  8. Ich höre dann auf, wenn ich mich gut damit fühle und nicht, wenn ich eine bestimmte Zeit voll gemacht oder ein bestimmtes Ziel erreicht habe. Aber hier wird es tricky. Im ersten Moment fühlt sich oft gut an, was den inneren Schweinehund füttert und zu meiner Komfortzone gehört – ein gutes Training zur Selbstreflexion und Eigenverantwortung.
  9. Dann startet der Genussteil meines Tages. Dazu gehört Sport, Qualitytime, Musik, Kochen, Lesen und und und.
  10. Vorbereitung einer gesunden Schlafhygiene: Dazu gehört u.a., eine Stunde vor dem Schlafengehen Bildschirme zu vermeiden – also Fernsehen, Smartphone, Laptop etc. Die richtige Ernährung am Abend spielt außerdem eine entscheidende Rolle. Ich lege mich auf keine feste Schlafenszeit fest. Denn für die Erholung ist nicht die gesamte Schlafdauer, sondern die Tiefschlafphasen relevant. Diese werden durch das Hormon Melatonin gesteuert. Es geht mir also viel mehr darum, einen positiven Einfluss darauf zu nehmen, als früh ins Bett zu kommen. (Ein Artikel der Melatonin und Schlafhygiene gut beschreibt, findest Du hier.)

Am Ende wird für mich entscheidend sein, wie viel Zeit ich verhältnismäßig dafür aufwende, auf mein Lebenskonto einzuzahlen. Dazu gehören genussvolle Momente genauso wie anstrengende, fordernde und manchmal belastende. Ich bin sicher, dass diese Grenze mit der Zeit immer mehr verschwimmen wird und ein anderes Verhältnis zu Anstrengungen entstehen wird. Um das zu erreichen, brauche ich die richtige Tagesroutine.

Was hilft Dir, am Ball zu bleiben?

Sonntagsreflexion – Klappe die Erste

21.10.2018

Sonntag. Der letzte Tag der Woche. Doch warum sehnen wir uns das Wochenende immer so sehr herbei und verfluchen gleichzeitig die kommende Arbeitswoche?

Ich bin der Überzeugung, dass die Antwort nicht allein in der Tatsache zu finden ist, dass wir an diesen beiden Tagen nicht zur Arbeit gehen müssen (zumindest die meisten von uns). Viele – mich eingeschlossen – buchen sich regelrecht ihre freien Zeiten unter der Woche zu, denn „irgendwann, müssen die ganzen Dinge ja erledigt werden“. Doch warum ist das so? Warum sind die Werktage das Pflichtprogramm und das Wochenende die Kür? Warum hetzen wir von Montag bis Freitag durch den Alltag während wir Freitagabends bis Sonntagnachmittags Scheuklappen aufsetzen und regelrecht in eine Parallelwelt abtauchen? Ein paradiesischer Zustand, in dem ich einfach mal „nur das tue, worauf ich Lust hab“. (Bis mir Sonntagabend einfällt, dass ich ja morgen wieder zur Arbeit „muss“.)

Ich werde diesen Eintrag deshalb dazu nutzen, mich nicht in der Wochenendleichtigkeit zu suhlen sondern stelle mir stattdessen folgende Fragen:

  1. Was unterscheidet eigentlich das Wochenende von den Werktagen und…
  2. was davon kann ich mir für mehr Gelassenheit unter der Woche bewahren? 

Ich freue mich über Deine Kommentar, Deine Erfahrung und Deine Strategie, die die Woche für Dich lebenswerter machen. Vielleicht kannst Du dich ja auch von mir inspirieren lassen.

– – –

>>Geschafft. Jetzt einfach nur noch ab ins Auto und heim. Hirn abschalten, was leckeres Essen, vielleicht zum Sport – aber nur wenn ich Lust hab‘ – und danach ab auf’s Sofa, Serie schauen.<< Mit diesem Gefühl habe ich schon an so vielen Freitagen das Büro verlassen. Ein Gefühl der Erleichterung. Ich habe lange Jahre diesen Fehler im System nicht realisiert. Deshalb hatte ich gar nicht die Chance, diese Tatsache zu reflektieren und diese Blockade zu knacken.

Doch es ist nicht nur die Pflicht zur Erbringung meiner Arbeitsleistung, die ich gegen Geld an meinen Arbeitgeber verkaufe. Auch mir selbst gegenüber bin ich fordernd und missgünstig. Ich muss dies… Ich muss jenes…:

  • mich melden bei Familie, bei Freunden und Bekannten
  • Zeit mit meinem Partner verbringen
  • Zuhause Ordnung halten
  • Papierkram machen
  • Gitarre spielen
  • Einkaufen
  • zum Sport
  • Lesen
  • Entspannen

Ja, „Ich MUSS mich entspannen“ ist tatsächlich ein Glaubenssatz, der teilweise wie ein Mantra in meinem Kopf herumspukt. Komisch, dass sich das Gefühl von Entspannung dabei nicht einstellt. Kein Druck und so…

Ich habe außerdem einen Nebenjob, in dem ich meistens Samstagsvormittags im Frühdienst von 6:00 -14:00 Uhr  arbeite. Ich würde lügen, würde ich sagen, dass mir das Aufstehen nicht schwer fällt. Und trotzdem fühle ich mich am Abend zuvor nicht unter Druck gesetzt oder gehetzt. Und wir reden hier nicht von einem Job, der mich in der Tiefe meiner Seele erfüllt. Er ist okay. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass mein Wochenende deshalb erst später beginnt und deshalb kürzer ausfällt. Ich fühle mich nicht in meiner heiligen Zeit beschnitten.

Wie also kommt diese Negativität, dieser Druck und diese permanente Unzufriedenheit zustande?

Perfektionismus.

Das ist in meinem Fall die Antwort. Zufriedenheit ist nur erlaubt, wenn alles erledigt, abgearbeitet und optimal gelöst ist. Also nie. Ich habe mich darauf konditioniert zu leisten (möglicherweise ein Resultat aus Einigem über das ich in About me berichte). Manchmal führt das sogar dazu, dass ich am Wochenende blind weiter meine To-do-Liste abarbeite. Sonntagsabends fällt mir dann auf, dass ich eigentlich gar nicht ausreichend erholt bin, um leistungsfähig in die neue Arbeitswoche zu starten.

Mein Erleben hat gezeigt, dass es selten die äußeren Rahmenbedingungen sind, die über Positivität oder Negativität bestimmen, sondern die persönliche Einstellung, das Ego. Selbstverständlich gibt es enorm belastende Situationen, die wir nicht oder nur sehr bedingt beeinflussen können. Dazu gehört zum Einen die Fähigkeit, negative Gefühle auszuhalten. Ich nennen es ganz bewusst „Fähigkeit“, denn diese Tatsache entscheidet häufig über den kleinen aber feinen Unterschied, ob wir mental untergehen, oder uns über Wasser halten, bis die Flut zu Ende geht.

Daneben ist es für mich entscheidend zu bewerten, ob ich die Situationen so verändern kann, dass sie aushaltbar für mich wird. Ist die Antwort nein, dann ist die beste Entscheidung immer, die Situation zu verlassen. So gerade geschehen, mit meiner Entscheidung meine berufliche Qualifikation Qualifikation sein zu lassen und einen neuen, völlig anderen Weg einzuschlagen (dazu wird es einen weiteren Post geben).

Die eigene Einstellung verändern für mehr Lebensqualität. Klingt immer so easy. Ist es aber leider nicht. Perfektionismus ist, wie viele andere Eigenschaften auch, eine Sache des Egos. Das Ego behindert uns immer. Es gibt keine Situation in der Ego förderlich ist. Man sollte es nicht mit Charakter, Moral oder Einstellung verwechseln. Also habe ich es mir zum Ziel gemacht, mein Ego mundtot zu machen, ihm kein Stimmrecht zu lassen. Und zu diesem weiten Weg gehören zumindest einige, völlig banale Dinge:

  1. Ich schreibe keine To-do-Listen mehr. Was tatsächlich, rein objektiv betrachtet, erledigt werden muss, bekommt einen Kalendereintrag in meinem Smartphone, alles andere schiebe ich auf die lange Bank. Ja, vielleicht werden einige Dinge manchmal von einer Option zu einer Pflicht, wenn ich sie lange verschiebe. Na und? Hat mit dem Lernen vor Klausuren auch immer prima geklappt. Immer optimal? Nein. Das ist mir aber auch nicht wichtig.
    Dazu ein kleiner Ausflug: In einer Motivationsanalyse erhielt ich von dem Motivationspsychologen Dr. Josef Merk folgende Rückmeldung: „Du bist ein Try-and-Error-Typ – ein 80%iges Ergebnis ist für Dich auch okay, Geschwindigkeit und Entscheidungsfreude kennzeichnen dich.“ Es war mir vorher nie bewusst und umso mehr hat es mich gefreut, wie treffend mich diese Aussage beschreibt. Es gibt Dinge, die ein 100%iges Ergebnis erfordern und dann gebe ich sie auch. Generell renne ich aber los und nehme auch ein Scheitern in Kauf – dann eben neu.
  2. Ich reflektiere Situationen und Emotionen gezielt. Eine wichtige Grundlage davon ist die Beschaffung vielseitiger Informationen und Blickwinkel durch Bücher, Videos und Podcasts. Ich nutze einen Lebenskalender, in dem ich jeden Tag abstreiche, der in meinem Leben vorübergeht. Es hilft, mir immer wieder bewusst zu machen, dass ich mir meine Zeit nur selbst so erfüllend wie möglich gestalten kann. Wenn mir danach ist, schreibe ich inspirierende, motivierende oder eindrückliche Zitate oder Gedanken in ein Buch. In schlechten Momenten nehme ich es zur Hand. So kann ich mir positive Impulse bereiten in Situationen in denen ich nur Schwarz sehe.
  3. Der folgende Punkt wirkt in dieser Liste sicherlich etwas deplatziert, ist aber von zentraler Bedeutung: Ich ernähre mich gesund und ausgewogen. „Du bist was du isst.“ Sicher kennst Du diesen Spruch. Die These vertraten schon vor Tausenden von Jahren buddhistische und yogiistische Schriften (z.B. die sogenannte Bibel des Ostens, die Bhagavad Gita entstanden zwischen dem 5. und 2. Jahrhundert vor Christus).
    Ich bin mir sicher, Du kennst das Fresskoma nach einer deftigen Mahlzeit oder auch einfach nur zu vielen Kohlenhydraten. Das wirkt sich auf’s Gemüt aus und deshalb vermeide ich es.
  4. Bewegung und frische Luft gehören zu meinen Prioritäten. Bevor ich zu Hause das Bad putze um meinen Perfektionismus zu nähren, gehe ich heute lieber zum Sport oder mache einen Spaziergang. Auch Yoga ist mittlerweile ein zentraler Bestandteiles meines Entspannungsritus. Die mentale Fokussierung auf den Körper, das „nach Innen horchen“, lässt mich alle Was-wäre-wenn’s oder Ich-muss-noch’s vergessen und nur im Moment ankommen. Dabei in Bewegung zu sein hilft mir enorm. Meditation hingegen ist ein Werkzeug, dass sich mir noch nicht erschlossen hat. Vielleicht zu einer anderen Zeit.

Habe ich in diesem Beitrag die Frage beantwortet, wie ich die Wochenendgelassenheit besser mit in die Woche nehmen kann? Nein, sicher nicht. Ich stelle vielmehr die Hypothese auf, dass Gelassenheit eine ganzheitliche Lebenseinstellung ist. Gelassenheit und Zufriedenheit gehen einher miteinander. Nur wenn ich mehrheitlich zufrieden in meinem Alltag bin, wird sich Gelassenheit, Ruhe, einstellen. Über Zufriedenheit, das Einstehen für sich selbst und die Übernahme von Eigenverantwortung möchte ich in einem weiteren Beitrag schreiben.

Ich freue mich, wenn Du meinem Weg dort hin etwas abgewinnen kannst und bin um jeden Tipp dankbar, der mir diesen Prozess erleichtert.

Auf eine verdammt geile Woche!

#fuckperfectionism #makemondaysgreatagain

– – –

Zu diesem Beitrag hat mich hauptsächlich ein Podcast von Tim Ferris inspiriert, den ich kürzlich gehört habe. Dabei interviewt er Ryan Holiday – Autor und ehemaliger Marketingguru – zu seinem Buch „Ego is the enemy“. Wenn Du interessiert bist, solltest Du unbedingt hier rein hören.