Sonntagsreflexion – Tagesroutine

28.10.2018

Ich möchte Dich zum Ende dieser Woche zu einer Fantasiereise einladen:

Stelle Dir vor, wie Du am ende Deines Lebens im Schaukelstuhl auf Deiner Terrasse sitzt, vielleicht erzählst Du deinem Enkelkind von Deinem Leben. Davon was Du erreicht, was Du getan und erlebt hast. Oder vielleicht rechnest Du einfach nur ab mit Dir mit Deinem Leben. Rekonstruierst für Dich all die Dingen, die auf Dein heute überquellendes Lebenskonto eingezahlt haben. Die Dinge, die Dich und Dein Leben erfüllt haben. Schließe die Augen, lasse dieses Bild entstehen und beobachte Dich einen Moment dabei. Wie siehst Du aus? Wie sind Deine Gesichtszüge? Wie fühlst Du dich? Bist Du allein, oder ist jemand bei Dir? Was in Deinem Leben hat dich besonders zufrieden gemacht?

Du bist glücklich. Es ist keine Wehmut in Dir. Kein Gedanke, der sagt: “Ach hätte ich doch nur…”. Du hast alles getan, alles gesehen, alles erlebt, alles gefühlt und gesagt, was es in Deinem Leben zu tun gab um genau heute in absoluter Ruhe aus Deinem Leben zu gehen. Du bist ruhig. Du bist völlig mit Dir selbst verbunden und mit allem um Dich. Es ist gut.

Nimm Dir einen Moment Zeit, Deine Gedanken auf Dich wirken zu lassen und beobachte Deine Reaktion. Beobachte die Emotionen die entstehen und was sie in Dir bewegen.

Diese Fantasiereise habe ich zum ersten Mal in einem Mary Kay Seminar erlebt. Was ich in diesem Moment gefühlt und vor meinem inneren Auge gesehen habe, bewegt mich jeden Tag und beeinflusst alle meine Entscheidungen mit.

Was ist es, das Dir am Ende Deines Lebens das Gefühl geben wird, erfüllt gelebt zu haben? Was ist es, das Dir die am Ende Deines Lebens die Ruhe gibt, jetzt zu sterben, ohne Reue? Was gibt Dir das Gefühl absoluter Freiheit?

Diese Fragen haben mich diese Woche auf einer viel granulareren Ebene bewegt. Mir ist zunächst nicht aufgefallen, dass es sich um einen mikroskopischen Teil der Sinnfrage handelt. Dafür bin ich viel zu rational an die Thematik herangegangen. Erst, als ich mir über den Inhalt der heutigen Sonntagsreflexion Gedanken gemacht habe, ist der Knoten geplatzt:

Ich habe mich immer wieder gefragt, wie ich mich selbst und meinen Tag effizienter gestalten kann. Aber was bedeutet eigentlich Effizienz, woran kann ich sie messen? Für mich, davon bin ich überzeugt, kann ich sie an meiner Zufriedenheit oder Unzufriedenheit am Abend jedes Tages erkennen. Darüber, ob ich mich rastlos, oder ruhig und entspannt fühle. Ob mich Gedanken plagen wie: “Eigentlich hätte ich…” oder “Morgen muss ich aber…”. Darüber, ob ich grüble, oder meine Gedanken einfach ziehen. Darüber, ob ich innerlich Pflichten formuliere, mir hektisch Erinnerungen schreibe oder ob ich einfach bin, entspanne.

Ist dieses Gefühl nicht genau dasselbe, das ich auch am Ende meines Lebens haben möchte? Entscheidet nicht gerade die Tatsache, dass die Mehrheit meiner Tage mit dieser Zufriedenheit geendet haben, exakt darüber, wie sich mein gesamtes Leben für mich anfühlt? Deshalb möchte ich mich in diesem Beitrag mit einer Tagesroutine auseinandersetzen, die genau darauf einzahlen soll.

Ich wache auf, checke Social Media, drehe mich noch einmal um, checke Social Media, drehe mich noch einmal um, checke Social Media – okay, Feed aktualisieren bringt auch nichts mehr Neues. Naja, dann steh ich eben mal auf…

Das ist zugegebenermaßen tatsächlich lange meine Morgenroutine gewesen. Offensichtlich starte ich so nicht in einen Tag, an dem ich abends zufrieden sein werde. Deshalb möchte ich für mich herausfinden, wie ich eine gute Balance zwischen “Verpflichtung” und Ich-Zeit finden kann, die sowohl ausgewogen, als auch wertschöpfend ist. Ich möchte ein Ritual finden, das mich jeden Tag meinen inneren Schweinehund auf’s Neue überwinden lässt.

Die Frage, was ich am Ende meines Lebens getan haben möchte, um zufrieden sein zu können, kann ich mir bereits beantworten (auch wenn ich mir absolut sicher bin, dass sich dabei immer wieder kleine Veränderungen ergeben werden). Also sollte es doch nicht so schwierig sein, das in kleine Häppchen herunterzubrechen. Ich weiß zumindest grob, wo ich Ende nächsten Jahres stehen will und ich weiß, was ich tun muss, um dorthin zu gelangen. Rein rational betrachtet, überhaupt kein Problem.

Wäre da nicht diese innere Trägheit, diese Komfortzone und dieses vorgetäuschte Sicherheitsgefühl, dass mir jeden Morgen im Bett ins Ohr flüstert: “Du willst liegen bleiben, Du willst es immer leicht haben, mach doch einfach das, was Du sowieso schon kannst, Dein Tag sollte nicht anstrengend oder herausfordernd sein. Es ist alles gut so wie es ist.”

Ja. Nee.

Ich bin ein absoluter Genussmensch. Genuss ist für mich Erfüllung, ist Freude, ist Glück. Auf ganz verschiedenen Ebenen. Deshalb sollte und wird Genuss im Ablauf jedes Tages für mich eine Rolle spielen, wichtiger Bestandteil sein. Aber Genuss bedeutet für mich eben nicht Untätigkeit. Genießen kann ich doch gerade das, was mich berührt und wirklich tief erfüllt. Und das fliegt mir eben nicht immer zu.

Ich möchte für mich eine Routine etablieren, mit der ich jeden Tag auch ein bisschen den Aufwand genießen kann, den ich in Kauf nehmen muss. Denn davon bin ich überzeugt: Egal wie gerne Du etwas tust, es ist immer auch anstrengend.

Um meine optimale Tagesroutine zu finden, werde ich mich dabei beobachten, wie ich mich mit verschiedenen Möglichkeiten fühle. Denn ich glaube nicht, dass ich bereits genau weiß, zu welcher Zeit des Tages ich am effizientesten bin, wann mir Sport am besten bekommt oder ich am konzentriertesten arbeite. Ich werde verschiedene Optionen ausprobieren, um meine Routine zu finden und möchte dabei mit folgender starten:

  1. Ich stehe jeden Morgen zur selben Uhrzeit – und ich stehe tatsächlich auf.
  2. Ich mache mich fertig – gesellschaftsfähig sozusagen – egal, ob ich unter Menschen gehe oder nicht.
  3. Ich aktiviere meinen Körper. Durch Yoga, einen Spaziergang oder Training.
  4. Ich frühstücke ausgewogen.
  5. Ich starte den Pflichtteil meines Tages. Ohne Smartphone. Meine Prio 1 ist dabei nicht zwangsläufig immer das, was ich am liebsten tue – selten sogar. Deshalb habe ich entschieden zunächst mit der Sache zu starten, auf die ich am wenigsten Lust habe – erst die Arbeit, dann das Vergnügen 🙂 Dieses Gefühl wird sich mit der Zeit verändern, denn ich werde dadurch immer mehr von dem tun können, was ich liebe und immer weniger von dem tun müssen, was mich belastet. Und das was mich belastet, wird immer stärker zum Teil dessen, was mich erfüllt.
  6. Ich esse ein ausgewogenes Mittagessen und aktiviere noch einmal kurz meinen Körper. Hier gönne ich mir auch eine kurze Auszeit und lese, höre einen Podcast, schaue ein Video etc.
  7. Mittags arbeite ich weiter, erledige Termine und checke außerdem, was Prio am nächsten Tag haben sollte. Auch Arzttermine oder sonstige Erledigungen versuche ich möglichst, erst am Nachmittag zu machen, um einen festen Raum für konzentriertes Arbeiten zu haben.
  8. Ich höre dann auf, wenn ich mich gut damit fühle und nicht, wenn ich eine bestimmte Zeit voll gemacht oder ein bestimmtes Ziel erreicht habe. Aber hier wird es tricky. Im ersten Moment fühlt sich oft gut an, was den inneren Schweinehund füttert und zu meiner Komfortzone gehört – ein gutes Training zur Selbstreflexion und Eigenverantwortung.
  9. Dann startet der Genussteil meines Tages. Dazu gehört Sport, Qualitytime, Musik, Kochen, Lesen und und und.
  10. Vorbereitung einer gesunden Schlafhygiene: Dazu gehört u.a., eine Stunde vor dem Schlafengehen Bildschirme zu vermeiden – also Fernsehen, Smartphone, Laptop etc. Die richtige Ernährung am Abend spielt außerdem eine entscheidende Rolle. Ich lege mich auf keine feste Schlafenszeit fest. Denn für die Erholung ist nicht die gesamte Schlafdauer, sondern die Tiefschlafphasen relevant. Diese werden durch das Hormon Melatonin gesteuert. Es geht mir also viel mehr darum, einen positiven Einfluss darauf zu nehmen, als früh ins Bett zu kommen. (Ein Artikel der Melatonin und Schlafhygiene gut beschreibt, findest Du hier.)

Am Ende wird für mich entscheidend sein, wie viel Zeit ich verhältnismäßig dafür aufwende, auf mein Lebenskonto einzuzahlen. Dazu gehören genussvolle Momente genauso wie anstrengende, fordernde und manchmal belastende. Ich bin sicher, dass diese Grenze mit der Zeit immer mehr verschwimmen wird und ein anderes Verhältnis zu Anstrengungen entstehen wird. Um das zu erreichen, brauche ich die richtige Tagesroutine.

Was hilft Dir, am Ball zu bleiben?

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