Perfektion der Natur

Neulich, in Byron Bay (haha, ich liebe es!) bin ich um 5 Uhr morgens aufgestanden, um mir einen Sonnenaufgang anzusehen. Ich finde ja, dass Sonnenaufgänge ganz besonders sind. Sonnenuntergänge sind toll, sie sind romantisch und haben etwas geheimnisvolles. Der Tag geht zu Ende, alles was vom Licht berührt wurde wird langsam schattig, kalt. Man rückt näher zusammen, spendet sich Wärme. Alles was Du sehen kannst, ohne künstliches Licht, befindet sich ganz nah bei Dir. Deine Sinne, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken, werden geschärft. Sonnenuntergänge sind fantastisch.

Was ich am Sonnenaufgang liebe, ist die Kraft der Wiedergeburt. Das Licht verdrängt die Dunkelheit. Die Sonne steigt jeden Morgen auf’s Neue auf. Sie fragt nicht, wie schwarz die Nacht war. Unabdingbar, stark, leuchtend erhebt sie sich jeden Morgen und erfüllt alles mit Licht. Mit Lebensenergie. Egal wie schwarz die Nacht war.

Ich bin also um 5 Uhr aufgestanden. Das erwähne ich zwei mal, weil das für mich schon eine starke Leistung ist. Ich bin kein Langschläfer, aber alles vor 7 – eher vor 8 – erscheint mir doch sehr unmenschlich. Also stand ich um 5 auf. Tatsächlich schaffte ich es auch, 7 Minuten bevor die Iphone-Wetter-App den Sonnenaufgang prognostiziert hatte, am Strand zu sein.

Dazu muss gesagt werden, dass sich in Byron Bay der östlichste Punkt Australiens befindet. Warum das so wichtig ist? Die Datumsgrenze verläuft zwischen den Fidschis und Samoa. Das erste nennenswerte Land (aufgrund der Größe), das den neuen Tag einläutet, ist der östlichste Teil Chinas, zusammen mit Neuseeland. Befindet man sich also am östlichsten Punkt Australiens so bedeutet das, dass noch nicht besonders viele Menschen vorher das Licht des neuen Tages erblicken konnten. Ich empfinde diese geografische Tatsache als äußerstes Privileg.

Nun also kam ich dort an. Es war schon lange nicht mehr dunkle Nacht, denn natürlich kündigt sich die aufgehende Sonne an und schickt ihr Licht voraus. Die ersten Krebse gehen ihrer Arbeit nach und natürlich treibt es auch ein paar Surfer raus. Ja, da war Licht. Nur die Sonne konnte ich nicht sehen. Sicherlich ging sie auf. Ich verlasse mich voll und ganz auf die Iphone-Vorhersage und bin sicher, dass die Kugel pünktlich um 05:54 Uhr über den Horizont gespitzelt hat. Aber da waren eben auch Wolken. Viele Wolken. Eigentlich waren da nur Wolken. Ich konnte also den Horizont nicht sehen.

Es wurde heller und ich ahnte, was hinter diesem Vorhang passierte. Ich war enttäuscht. Schließlich war ich um 5 Uhr aufgestanden. Ich hatte mich auf die reinste Form der Lebensenergie gefreut. Darauf dass sie mich erfüllen würde. In jeder Zelle. Ich wollte Leben fühlen. Mich. Mein Innerstes. Dieses goldene Licht in mir speichern.

Wie ich da so saß und mich meinen menschlich-destruktiven Gedanken hingab, mich ein wenig ärgerte, traurig war, da kam mir etwas in den Sinn:

Es gibt keine Zufälle.

Also gab es einen Grund dafür, dass ich an eben diesem Tag um 5 Uhr aufstand, um eben diesen Sonnenaufgang, den ich nicht sehen konnte, zu erleben. Dieser Sonnenaufgang war nicht perfekt. Aber sie war da, die Sonne. Hinter einem dicken Vorhang aus Wolken. Einem Vorgang der sich bleischwer an den Horizont geheftet hatte. Der sich mit unglaublicher Vehemenz gegen das Licht des neuen Tages wehrte. Der das Feld nicht räumen wollte. Der die Welt mit Schatten bedeckte. Sie sind da, diese Wolken. Die dein Leben mit Schatten bedecken. Deine Gedanken, deine Glaubenssätze, deine Ängste. Sie schirmen Dich ab von der Schöpferkraft Deiner selbst. Von deinem Innersten. Deiner unerschöpflichen, grenzenlosen Lebensenergie. Von Deinem wahren inneren Selbst. Von Zuversicht. Von Glaube. Von Mut. Von Tatendrang.

Im Vertrauen, dass mir das Universum immer genau diese Botschaften schickt, die ich gerade am dringendsten brauche, weiß ich, dass es keinen besseren Tag, keinen besseren Zeitpunkt, keinen besseren Ort für mich gegeben hätte. Nichts ist jemals falsch. Nichts ist jemals umsonst.

Warum bist Du dort? Dort wo Du gerade bist? Mit den Menschen mit denen Du da bist. Mit diesen Sorgen. In dieser Unvollkommenheit. Schau genau hin.

 

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