Zum Krieg braucht es immer zwei, zum Frieden nur einen.

Wir neigen heute dazu uns in zwischenmenschlichen Beziehungen – welcher Art auch immer – permanent getriggert, verärgert, verletzt oder enttäuscht zu fühlen. Wir betrachten uns als Opfer der Unaufmerksamkeit, des Egoismus, der Ignoranz unseres Gegenübers. Und wie häufig unterstellen wir dem anderen Absicht? Unsere Beziehungen – und darunter gerade die Paarbeziehung – werden errichtet auf einem instabilen Konstrukt aus stillen und offenen Erwartungen. In der meisterhaft ausgefeilten Grübeltechnik von uns Frauen versenken wir tagtäglich unsere Energie. Dabei muss es noch nicht einmal um tiefgreifende, lebensverändernde Situationen in einer langjährigen Beziehung gehen – nein: Uns motiviert tatsächlich auch die nächstbeste Tinderbekanntschaft unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Und damit nicht genug: Wir beherrschen damit nicht nur unsere eigenen Gedanken, sondern gehen auch noch unserer besten Freundin auf die Nerven oder nutzen gleich die What’s App Gruppe mit den Girls um eine Möglichst große Wirkung mit unseren Gedanken zu erzielen.

Wir investieren so viel Energie. Und fast immer investieren wir sie in unseren Gegenüber. Wir interpretieren sein Verhalten, wir analysieren seine Baustellen, wir identifizieren Verbesserungspotentiale. Und das alles legen wir unserem Gegenüber dann in einem umfassenden Monolog fantastisch ausgefeilt dar. Währenddessen platzen wir dann auch fast vor Stolz, in dem Wissen, dass wir gerade die Lösung unserer Probleme präsentieren. Bis die Begeisterungsblase dann jäh platzt, weil unser Gegenüber bestenfalls eine andere Meinung hat, oder – was wahrscheinlicher ist – sich bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal annähernd mit dieser Frage auseinander gesetzt hat.

Dann kann es ihm ja auch nicht wichtig sein. Also bin ich ihm nicht wichtig. Dann macht das hier ja überhaupt keinen Sinn. Der bemüht sich noch nicht mal. Ich streng mich so an und ihm ist es egal. So geht das nicht. Ich bin ja wohl mehr wert als das. Das nehme ich nicht einfach so hin.

Das sind die Gedanken mit denen wir innerlich zum Angriff blasen. Und das tolle dabei ist: Wir müssen uns dazu noch nicht mal anstrengen. Die kommen ja ganz von selbst, nehmen unsere Gefühle ein und bündeln unsere Aufmerksamkeit wie selbstverständlich auf die Schmach des anderen.

Der Frieden war nie weiter weg, als in diesem Moment.

Wir gehen in Beziehungen bereits in Abhängigkeit, wenn sie noch gar nicht als solche zu definieren ist. Wir lernen potentielle Partner kennen und sofort eruieren wir innerlich, was wir von dieser Person erwarten können, was wir bei ihr zu finden glauben. Die Antwort auf diese Fragen nennen wir nach einiger Zeit dann Liebe. Und noch etwas später finden wir uns dann enttäuscht und ernüchtert vor der Entscheidung wieder, zu gehen oder zu bleiben.

Viele Beziehungen werden aus denselben Gründen getrennt, aus denen sie einst eingegangen wurden. Einst: Es ist so super, dass mein Partner so ruhig und ausgeglichen ist, denn damit reguliert er meinen überschwänglichen Tatendrang und entschleunigt mich. Nun: So ein fauler Stubenhocker, mit dem nichts anzufangen ist, der sich für nichts begeistern kann und mich total ausbremst.

Wir denken jeden Tag unzählige Gedanken. Die meisten davon über unsere Beziehung oder den Wunsch danach. Wir denken nach über unseren Partner. Betrachten seine von uns definierten Baustellen. Erörtern Lösungswege, Methoden. Geben uns Mühe dabei, Wege zu entwickeln, die unserem Gegenüber helfen können. Schließlich lieben wir diesen Menschen.

Doch viel zu wenig Gedanken denken wir über uns selbst. Wir nehmen unsere Emotionen wahr, den Schmerz der durch eine Beziehung in uns ausgelöst wird. Doch fragen wir uns viel zu selten, von welcher unserer inneren Verletzungen dieser Schmerz verursacht wird. Unsere Partnerschaft löst Gefühle aus, aber sie verursacht sie nicht.

Die Ursache unseres emotionalen Charakters finden wir immer und ausschließlich in uns selbst, in unserer Vergangenheit. Wir sind in unserem westlichen Leben niemals ausgesetzt, oder geraten unbeabsichtigt an diese Typen. Wie es Robert Betz in seinem Buch „Wahre Liebe lässt frei“ formuliert: „Es gibt keine Opfer, es gibt keine Täter, es gibt nur Erschaffende.“ Wir alle ziehen nur das an, was in uns ist. Im Umkehrschluss müssen wir sein, was wir haben wollen.

Es gibt sie nicht diese bessere Hälfte. Du bist bereits ganz und vollkommen. Suche Vollständigkeit in Dir selbst. Übernimm Verantwortung für Dich. Jeder innere Widerstand ist ein Signal für Dich. Beachte es und nutze deine Energie,  um seine Wurzel zu ergründen. Heilst Du dich selbst, erlaubst Du dir, jemand anderen seiner Selbst willen zu lieben. Du wirst aufhören nur das zu „lieben“, was Du brauchst. Denn Du erschaffst es für Dich, ohne das Zutun eines anderen.

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