Frausein

Soll ich heute eine Vorzeigefrau beschreiben, fallen mir sofort Attribute ein wie: Unabhängig, selbstständig, selbstsicher, überzeugt, zielstrebig… Genau genommen tue ich dabei nicht mehr als einen Menschen beschreiben, der im Leben verankert ist, einen Plan hat, für sich selbst bestimmt. Diese Attribute sind unisex. Keines davon beschreibt Weiblichkeit. Aus dem Prozess jahrhundertelanger Unterdrückung und Herabwürdigung gegenüber dem Mann, haben wir Frauen uns zunehmend maskulinisiert. Die Verletzlichkeit des Weiblichen gilt als Schwäche die wir nahezu unterdrücken indem wir versuchen, den Männern in keiner Disziplin mehr nachzustehen. Schon gar nicht im Job.

Ich habe mir über diese Entwicklung in den vergangenen Wochen viele Gedanken gemacht, mich selbst beobachtet in meinem Frausein. Oder vielmehr: Dem Versuch des Frauseins. Ich bin gerade in Israel. Einen Urlaub, den ich mir bewusst alleine gönne. Ich wurde vorher und hier oft gefragt, warum es genau dieses Reiseziel ist. Ich konnte diese Frage nicht beantworten. Es war mehr eine Intuition, als eine bewusste Entscheidung. Nun da ich hier bin, ist die Antwort klar: Weil ich Weiblichkeit spüren darf. Deshalb musste ich genau hier her in dieses Land, in diese Kultur reisen. Danke Universum. Mal wieder.

Was bedeutet Weiblichkeit im eigentlichen Sinne? Wir sind naturgemäß empfangende, Männer gebende Wesen. Alles, was typisch weiblich ist, kann so bezeichnet werden, weil es ein männliches Gegenattribut gibt: Sensibilität – Rationalität. Entspannung – Aktivität. Sanftheit – Aggressivität. In jedem Menschen, welchen Geschlechts auch immer, sind männliche und weibliche Energien vorhanden. Die Yogis unterteilen diese auch in Sonnenenergie, die männliche Energie, und Mondenergie, die weibliche Energie. Es ist wichtig, dass wir beide kultivieren, sowohl als Frauen als auch als Männer. Es gibt Situationen in jedem Leben, in denen wir maskuline Energie brauchen. Dazu zählt zum Beispiel das Behaupten eines Standpunktes, das Treffen von Entscheidungen. Umgekehrt gibt es aber auch solche, in denen Weiblichkeit gefragt ist. Dazu zählt zum Beispiel Entspannung und Genuss.

Es gibt aber eben auch die Attribute im Außen, die uns zu Frauen machen. Erotik die verbunden ist mit Deinem weiblichen Körper: Vollen Lippen, zarten Händen, Brüsten, Hüften, Deinem Hintern und Beinen. Und egal wie diese Stellen Deines Körpers gebaut sind: Genau sie machen Dich zur Frau. Und dazu gehört auch, zu genießen dass diese Weiblichkeit wahrgenommen wird.

Wenn in Deutschland der Verkäufer beim Bäcker zu mir sagt, dass ich atemberaubend bin, verdrehe ich die Augen, fühle mich vielleicht peinlich berührt oder bin genervt: „Absolut billige Anmache. Sagt er bestimmt zu jeder.“ HELL YES, hoffentlich tut er das! Denn wir sind alle, so wie wir sind, in unserer Unterschiedlichkeit, aber in unserer Weiblichkeit so unglaublich fabelhaft. Und genau das sollten wir uns jeden Tag bewusst machen.

Deshalb bin ich so dankbar, in einem Land zu sein, in dem Frauen als die wunderbareren Geschöpfe verehrt werden, die sie sind. Und wenn ein schmieriger Typ tatsächlich versucht, Dich mit geheuchelten Komplimenten rum zu bekommen, dann besitzt Du hoffentlich genug Eigenverantwortung, für Dich selbst entscheiden zu können, ob Du dich darauf einlässt oder nicht.

Bitte erlaube Dir selbst wieder, Dich für das zu ehren was Du bist. Und bitte erlaube den Männern wieder, Dir genau das unverblümt zu zeigen.

Danke Israel.

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